Was ist Hypnose?

Kommt das Gespräch auf meine Arbeit als Hypnotiseurin, endet das Ganze für gewöhnlich in zwei möglichen Reaktionen seitens meiner Gesprächspartner:

 

1. "Echt? Klingt spannend, erzähl doch mal!" (20%)

2. "Oh Gott, wie kommt man denn auf sowas? Bleib mir bloß weg damit!!!", begleitet von weit aufgerissenen Augen und einem zurückweichen ans Ende des Zimmers. (80%)

 

Das ich noch nicht mit Knoblauch beworfen wurde, ist echt alles. Kommt bestimmt noch.

 

Woher kommen diese extremen Reaktionen, und eine Ablehnung gegenüber einer Tätigkeit, mit der die meisten von uns niemals praktische Erfahrungen gesammelt haben?

Ich mach es mir an dieser Stelle einmal sehr einfach und behaupte: Das Fernsehen ist schuld.

 

 

Ich mach es mir an dieser Stelle einmal sehr einfach und behaupte: Das Fernsehen ist schuld. Ist zwar sehr pauschalisiert, trifft aber trotzdem irgendwie den Kern der Sache.

 

Wie eben erwähnt, haben die meisten Menschen in ihrem Leben keine persönlichen Erfahrungen mit der Hypnose gemacht, die bestehende Meinung wird geprägt durch das, was vermittelt wird. Durch Fernsehen, Radio oder Zeitung bzw. YouTube, Facebook und Instagram.

 

Was von vielen nicht bedacht wird:

Diese Medien haben vor allem ein Ziel: Unterhaltung.

 

Sicher spielt auch die Wissensvermittlung eine gewisse Rolle, aber das es mehr Katzenvideos als Dokumentationen über die aktuellen Forschungen von erneuerbaren Energien gibt, ist kein Zufall.

 

Natürlich wollen all diese Anbieter auch Geld verdienen, d.h. sie sind angewiesen auf Absatzzahlen und Einschaltquoten. Dazu braucht es entsprechende Inhalte. Und an dieser Stelle kann jeder mal ehrlich für sich selbst beantworten, welches Video er sich eher anschauen würde:

 

"Möglichkeiten der medizinischen Hypnose bei Angoraphobie"

VS.

"Brustvergrößerung durch Hypnose"

 

Wer jetzt sagt, dass er nicht zumindest kurz mit sich gerungen hat, lügt.

 

 

Ich liebe meine Arbeit und bin von ihrem positiven Nutzen und ihren riesigen Einsatzmöglichkeiten überzeugt. Umso mehr enttäuscht es mich, auf diese riesige Wand (oft unbegründeter) Ablehnung zu stoßen.

 

Und genau gegen diese Wand arbeite ich an, mit allem was ich habe.

 

Ich schreibe darüber, erkläre jedem den es interessiert was es damit auf sich hat und biete im Bekanntenkreis Behandlungen an, die erste Erfahrungen mit der Materie vermitteln.

 

In meinem ersten Blogartikel zum Thema Hypnose habe ich 6 "Allgemeine Fragen zur Hypnose" beantwortet.

 

Die erste Frage damals lautete: Was ist Hypnose?

 

 

 

1. Die Definition

 

Die Hauptaussage bestand aus der Definition, die ich in meinem Ausbildungsinstitut vermittelt bekommen habe:

 

Hypnose ist eine willentliche Einflussnahme auf die Aktivitäten des Gehirns oder des Bewusstseins und damit ggf. indirekt des Körpers und kann zu verschieden psychischen oder physischen Zuständen führen, die von der Normalfunktion abweichen und zu unterschiedlichen Zwecken, beispielsweise im Rahmen einer Therapie, genutzt werden können.

 

 

Ein guter Anfang, aber noch nicht genug wie ich finde.

Deshalb klären wir jetzt mal einige Begriffe, die fast jeder schonmal gehört hat.

 

 

 

2. Gängige Vokabeln

 

Ein häufig benutztes Wort in diesem Zusammenhang ist Trance, oft auch als Synonym für die Hypnose verwendet. Und da gehts schon los, mit den Fehlinformationen.


Als Trance wird ein Zustand der Konzentration bezeichnet, der willentlich oder zufällig herbeigeführt werden kann. Stundenlangens Fahren auf der Autobahn kann genauso in Trance bringen wie das Basteln am Modellauto oder das Lesen im aktuellen Bestseller, die Zeit verfliegt und man ist vollkommen in seine Tätigkeit versunken.

 

 

Die Hypnose hingegen bezeichnet eine Technik, mit der man diesen Trancezustand absichtlich herbeiführen kann, um diesen z. B. für therapeutische Zwecke zu nutzen.

 

 

Da es verschiedene Trancen gibt, die unterschiedlich im Gehirn wirken und deshalb zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden, werden verschiedene Trancearten unterschieden.

 

Drei der gängigsten Trancearten sind

 

1. die Wachtrance, in der der Patient "normal" wirkt oder spricht, aber dennoch auf Suggestionen des Hypnotiseurs reagiert
2. die körperorientierte Trance, die keine Bewusstseinsveränderung bewirkt, aber die Möglichkeit der Steuerung von Puls, Muskelgruppen oder Hauttemperatur bewirkt
3. die Verhaltensverändernde Trance, welche die "klassische Therapietrance" darstellt und die Veränderungen von Verhaltensmustern in der rechten Hirnhälfte ermöglicht

 

 

Als Suggestionen bezeichnet man die Aussagen des Hypnotiseurs bzw. Therapeuten, mit deren Hilfe z. B. Veränderungen herbeigeführt werden sollen ("Ab heute sind Zigaretten für dich uninteressant und du verspürst kein Verlangen mehr, zwei Päckchen am Tag zu rauchen.")

 

 

Die Showhypnose ist das, was die meisten Menschen unter Hypnose verstehen. Eine chic hergerichtete Bühne mit einem (allmächtig wirkenden) Mann, der in Sekunden Menschen schlafen, japanisch sprechen oder erstarren lassen kann.


Sie ist eine (von vielen) Einsatzmöglichkeiten der Hypnose, dient aber ausschließlich zur Unterhaltung, da sowohl die erzeugten Trancen noch die dargestellten "Kunststücke" therapeutisch verwendbar sind.


WICHTIG: Sie ist NICHT repräsentativ für eine therapeutische Hypnose!

 

 

 

3. Fragen für Fortgeschrittene

 

Und für alle, die dieses Thema wirklich interessiert, noch drei Fragen zum Abschluss:

 

1. Woran merkt der Hypnotiseur, dass seine Hypnose funktioniert?

 

Es gibt u.a. viele körperliche Anzeichen, die Rückschlüsse auf den Zustand des Patienten zulassen. Zu den gängigsten gehören sehr schnell "flatternde" Augenlider, ungelenkte und roboterhafte Bewgungen und REM-Bewegungen bei geschlossenen Augen (gern mal googeln, diese Bewegungen lassen sich seeehr schwer vorspielen).

 

 

2. Spürt der Kunde auch etwas?

 

Der Trancezustand in Hypnose wird von jedem unterschiedlich wahrgenommen, allerdings gibt es einige Empfindungen, die die Meisten in irgendeiner Form gespürt haben:

 

Außergewöhnliche Schwere oder Leichtigkeit, Kribbeln oder Taubheitsgefühle oder plötzlich eintretende Wärme- oder Kälteempfindenungen.

 

Ich persönlich empfinde Trance immer als wäre ich "in Watte gepackt" und friere sehr stark, weshalb ich mich meistens wie ein Eskimo kleide wenn ich selbst behandelt werde.

 

 

3. Gibt es bei der Hypnose Qualitätsunterschiede?

 

Ja, der Zustand und das Verhalten in Trance lässt sich tatsächlich "trainieren".

 

Wird  eine Trance regelmäßig (z.B. jeden Monat) herbeigeführt, gewöhnt sich das Gehirn an den veränderten Zustand und "kommt schneller an."

 

Auch das Vertrauen in den Hypnotiseur vertieft sich und das Gefühl der Neugierde und der Aufregung, das die Meisten vor einer solchen Sitzung enpfinden, lässt langsam nach. All diese Faktoren steigern die Qualität der Trance.

 


 

Ich hoffe, dieser Artikel konnte ein bisschen dazu beitragen, das Mysterium "Hypnose" besser zu verstehen und einige Fragen beantworten.

 

Hier finden Sie noch zwei weitere Artikel, in denen ich weitere Fragen beantworte:

 

1. Allgemeine Fragen zur Hypnose

2. Persönliche Fragen zur Hypnose

 

Ich freue mich sehr über Kommentare und Nachrichten und wünsche allen Lesern eine schöne Zeit.

 

 

(Das mit der "Brustvergrößerung durch Hypnose" hab ich mir übrigens nicht ausgedacht. Einfach mal bei YouTube eingeben ;-))

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